Wels feiert 15 Jahre Herminenhof Neu

Am Samstag, 27. Februar 2010 – genau vor 15 Jahren – wurde das damals frisch renovierte Kulturzentrum Herminenhof eröffnet. Zum halbrunden Jubiläum findet am Sonntag, 30. März um 17:00 Uhr an Ort und Stelle (Maria-Theresia-Straße 33) ein Festakt statt, um diesen Anlass gebührend zu feiern.

Programm

Die im Herminenhof beheimateten Kultur- und Wissenseinrichtungen des Landes Oberösterreich und der Stadt Wels gestalten gemeinsam einen abwechslungsreichen Abend. Die Landesmusikschule umrahmt die Festreden mit einer musikalischen Soirée: Es treten ein Brassensemble mit einer Uraufführung sowie ein Streicher-, ein Vocal- und ein Gitarrenensemble auf. Weiters gibt es die Klavierperformance „8 Hände“ (ebenfalls mit einer Uraufführung), die „Double Readers“, Volksmusik sowie zum Ausklang (Small Talk beim Buffet) eine Jazzformation zu hören. Mag. Michael Kitzmantel vom Stadtarchiv informiert in einem Kurzvortrag über die Geschichte des Hauses und das Archiv.

Anmeldungen für den Festakt sind bis Freitag, 21. März per E-Mail an ms-wels.post@ooe.gv.at oder unter Tel. +43 7242 44 185 möglich!

Historie

Die ereignisreiche Geschichte des Hauses hatte der Musealverein Wels zur damaligen Eröffnung in einer Festschrift aufgearbeitet. Der älteste Teil des heutigen Kulturzentrums – nämlich der Eingangsbereich – stammt aus der Zeit um die Wende zum 19. Jahrhundert, das heutige Erscheinungsbild entstand in dessen zweiter Hälfte. Das Gebäude diente als Fabrik für Kattun (Baumwollgewebedruck), Öl, Öfen, Pappe und Decken sowie als Winterquartier des Circus Henry aus Berlin. Der Vorname der Gattin von Zirkusdirektor Heinrich Koschke stand Pate für die Bezeichnung Herminenhof.

Seit 1930 befindet sich der Komplex im Eigentum der Stadt Wels. Das Bauwerk wurde als Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes, in der NS-Zeit unter anderem als Unterkunft für die Wehrmacht sowie nach Kriegsende von der US Army genutzt. Später beherbergte es eine Geldfälscher-Werkstatt (!), Betriebe verschiedenster Branchen und den Magazinraum der Freiwilligen Feuerwehr. Die letzten Mieter wurden in den 1990er-Jahren im Zuge der damals bereits geplanten Sanierung abgesiedelt.

(Anmerkung: Der Name Herminenhof bezog sich ursprünglich nur auf das zweistöckige Herrenhaus, in dem sich heute die städtische Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtung befindet. Dieses Gebäude feiert heuer den 300. Geburtstag, Details dazu folgen zeitgerecht!)

Dr. Andreas Rabl und Christa Raggl-Mühlberger

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Als Baureferent in der Projektendphase sind mir die großen Herausforderungen beim Umbau des historischen Gebäudes noch in guter Erinnerung. Eineinhalb Jahrzehnte später freue ich mich über ein unverändert strahlendes Schmuckstück als Heimstätte für die Landesmusikschule (die ich am alten Standort im Schloss Polheim selbst besucht habe), die Stadtbücherei und das Stadtarchiv. Lieber Herminenhof: Alles Gute zum 15. Geburtstag!“

Kulturreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger: „Ich verbinde viele schöne Erlebnisse mit dem Kulturzentrum Herminenhof, sei es als Gast bei einer der zahlreichen kulturellen Veranstaltungen oder selbst als Schülerin der Landesmusikschule bei einem Vortragsabend. Wels kann stolz sein, so ein modernes und top ausgestattetes Zentrum für Musik, Kultur und Wissen zu haben. Ich wünsche dem Herminenhof noch viele weitere Jahre voller Leben und freue mich schon auf meinen nächsten Besuch!“

Umbau

Die Ideen für eine Neunutzung umfassten in den 1990er-Jahren unter anderem ein Amtsgebäude für den Sanitäts- und Gebäudehilfsdienst, ein Haus der städtischen Seniorenbetreuung oder einen E-Business-Park. Auch eine Übersiedelung des damaligen Vogelparks (heute Zoo) Schmiding unter Einbindung des benachbarten Tiergartens war diskutiert worden.

Schlussendlich setzte sich aber die Idee eines „Musik- und Bildungszentrums Herminenhof“ des damaligen Landesmusikdirektors Konsulent Prof. Walter Rescheneder durch. Von der Ausschreibung des Architektenwettbewerbes 2003 bis zur Fertigstellung 2010 bestand die große Herausforderung, Altes mit Neuem zu verbinden. Die Errichtungskosten beliefen sich auf rund 14,5 Mio. Euro, wobei sich das Land Oberösterreich und der Bund beteiligten.

Gegenwart

Heute beherbergt das 5.600 Quadratmeter große Kulturzentrum Herminenhof folgende Kultur- und Wissenseinrichtungen:

Landesmusikschule Wels: Diese ist mit mehr als 2.000 Schülern und 65 aktiven Lehrern die größte in Oberösterreich. Die frühere städtische Musikschule, die 1980 in das seit 1977 bestehende Landesmusikschulwerk eingegliedert wurde, war seit 1909 im Schloss Polheim untergebracht. Der Betrieb hat dort schon länger unter den beengten Platzverhältnissen gelitten. Der Umzug in den renovierten Herminenhof schuf die Voraussetzungen für einen modernen, zeitgemäßen Musikunterricht.

Stadtbücherei Wels: Diese besteht seit 1890 und ist eine der ältesten Volksbüchereien Österreichs. Bis 1904 war sie im nun ehemaligen Amtsgebäude II in der Pfarrgasse 25 untergebracht, anschließend im Haus Stadtplatz 55. 1973 erfolgte die Übersiedelung in die Stelzhamerstraße 16/18. Der dort akute Platzmangel wurde mit der Übersiedelung in die topmodernen Räumlichkeiten im Herminenhof mehr als behoben. Die früher bestehenden Zweigstellen in diversen Stadtteilen wurden nach und nach durch den 1985 eingeführten Bücherbus – und dieser wiederum 2020 durch den Wissensbus – ersetzt.

Stadtarchiv Wels: Dessen Anfänge reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Nach Stationen im Rathaus, in der Stelzhamerstraße (ehemaliges Kinderasyl, heute eww Gruppe), in den Minoriten und in der Alten Sparkasse in der Pollheimerstraße (heute Medienkulturhaus) wurden 1975 die adaptierten Räume im Haus Stadtplatz 55 bezogen. Der Zuwachs an jüngeren Beständen machte von 1985 an insgesamt fünf Außendepots nötig. Im Herminenhof stehen dem Archiv moderne und großzügige Räumlichkeiten für Nutzer und Mitarbeiter zur Verfügung. Die Unterbringung der Archivalien in drei unterirdischen klimatisierten Depoträumen gewährleistet anhaltenden Schutz der wertvollen Quellen.

Anmerkung: Von 2010 bis 2020 war auch die Geschäftsstelle der Volkshochschule der Stadt Wels hier angesiedelt, mittlerweile ist diese im Amtsgebäude Greif (Rainerstraße 2) zu finden.

Textquelle: Stadt Wels 

Bildquelle: FPÖ Wels