Brennpunktschulen: Bundesminister Faßmann muss handeln „Gipfel der Direktoren“ soll Lösungen aufzeigen

In Wels besuchen derzeit 4.402 Schüler die Volks- und Neuen Mittelschulen, von insgesamt 3.012 ist Deutsch nicht die Muttersprache. Der Großteil jener Schüler ist aufgrund von mangelhaften Deutschkenntnissen nicht in der Lage, dem Unterricht zu folgen.

In Wels steigt die Anzahl der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache jedes Jahr um 3 Prozent an. Experten sind sich einig, dass mangelnde Deutschkenntnisse zu schlechteren schulischen Leistungen führen. Aktuell liegt der Anteil in allen Welser Volksschulen, bis auf zwei Schulen, zwischen 60 und 80 Prozent. In einer Volksschule liegt der Prozentsatz bei 79,6 Prozent.

Der Anteil der Volksschulen, an denen die Schüler sehr hohen Förderbedarf haben, liegt in Wels bei 81,9 Prozent. (Studie: Arbeiterkammer, Statistik Austria, 2018). Das ist mit Abstand der höchste Prozentsatz in ganz Österreich. Steyr folgt mit 60 Prozent und Linz mit 50 Prozent.

Bei den Neuen Mittelschulen ist der Anteil der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache sogar noch höher. Dort liegt er in allen Schulen – außer in einer – bei über 80 Prozent. Den höchsten Prozentsatz verzeichnet eine NMS. Dort haben von 222 Schülern insgesamt 201 Schüler Deutsch nicht als Muttersprache, das sind 90,54 Prozent.

Aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht der Ombudsstelle für Wertefragen und Kulturkonflikte des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung geht hervor, dass in einer Klasse mit über 70-prozentigem Migrantenanteil aus verschiedenen Herkunftsländern Integration schwer gelingen wird. Begründet wird dies damit, dass sich Schüler im schulischen Umfeld vermehrt ihrer Erstsprache bedienen und innerhalb derselben Migrantengruppe bleiben.

Aktuell hat Wels im Schuljahr 2019/20 17 Deutschförderklassen, 13 in den Volksschulen und 4 in den Neuen Mittelschulen. Pro Klasse werden maximal 15 Kinder unterrichtet.

Die Regierung will in Kürze das Projekt „100 Brennpunktschulen“ starten. Nachdem in Wels der Förderbedarf österreichweit am höchsten ist und alleine neun der elf Volksschulen sehr hohen Förderbedarf aufweisen, wäre eine Aufnahme der Volks- und neuen Mittelschulen in dieses Schwer-punktprogramm dringend erforderlich, um eine verbesserte Personal- und Sachausstattung zu erreichen. 
Zu diesem Zweck wurden nunmehr die Direktoren der Volks- und Neuen Mittelschulen zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen, um darüber zu diskutieren, wie das Bildungsministerium von der Notwendigkeit der Aufnahme der Welser Schulen in dieses Förderprogramm überzeugt werden kann.

In der Folge wird die Stadt Wels ein Schreiben an Bundesminister Dr. Heinz Faßmann richten, um die Dringlichkeit nochmals zu unterstreichen.

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Wir brauchen für unsere Schulen dringend mehr Ressourcen, wir dürfen die Lehrer in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen. Ohne Unterstützung vom Bund werden wir das Integrationsproblem nicht in den Griff bekommen. Wenn wir jetzt die Chance verpassen, die Kinder in unsere Gesellschaft zu integrieren, werden wir später wesentlich mehr Mittel benötigen.“

Vizebürgermeister Gerhard Kroiß: „Die Zahlen für Wels sind erschreckend und zeigen, dass in den vergangenen Jahren zu wenig unternommen wurde, um die Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache besser zu integrieren. Es ist hoch an der Zeit, dass Bildungsminister Faßmann die Reißleine zieht und die Schulen ausreichend unterstützt.“

Textquelle: Stadt Wels



FP-Wels, am 24.02.2020





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