Pressekonferenz: Pflege in Wels: Die Herausforderungen

Wie im gesamten Bundesgebiet ist auch in Wels das Pflegethema stark präsent. Obwohl auch die Stadt immer schwerer ausreichend gut ausgebildetes Personal findet, war es immer möglich, alle Betten in den Seniorenheimen der Stadt zu belegen. In zahlreichen anderen Kommunen stehen diese gerade in neuen Pflegeheimen leer, weil das Pflegepersonal nicht vorhanden ist.

Die Bundesregierung hat für den heurigen November ein Paket zur Reform der Pflege angekündigt. Darin sollen die zukünftige Finanzierung und die Reform der Ausbildung von Pflegekräften enthalten sein. Bis zur Lösung dieser Fragen hat sich die städtische Seniorenbetreuung eine Reihe von Strategien überlegt.

Zahlen und Fakten

Die Zuschüsse der Stadt zur Betreuung in den eigenen Einrichtungen haben sich seit dem Jahr 2014 von 6,3 Mio. Euro auf 7,8 Euro erhöht. Laut Bedarfsermittlungsplan (BEP) sind in Wels im Jahr 2020 3.754 Bürger mit Anspruch auf Pflegegeld zu erwarten. Rund 80 Prozent davon werden zu Hause von den Angehörigen gepflegt. Davon nehmen 25 Prozent zusätzliche Hilfe in Anspruch:

1.) Im städtischen Haus Neustadt und im Haus der Senioren (Diakonie) stehen Tageszentren zur Verfügung. Deren Nutzer wohnen zu Hause, werden tagsüber gepflegt, verköstigt und unterhalten.
2.) Rund 500 Personen werden von den mobilen Diensten der Stadt Wels sowie der Partnerorganisationen Rotes Kreuz, Diakonie, Hilfswerk und Volkshilfe versorgt.
3.) Rund 180 Personen haben eine private 24-Stunden-Pflegekraft.

Rund 20 Prozent der pflegebedürftigen älteren Welser sind in sechs Seniorenheimen untergebracht. Die Stadt betreibt vier Häuser (Leopold Spitzer, Vogelweide-Laahen, Neustadt, Noitzmühle), dazu kommen das Haus Bruderliebe der Kreuzschwestern und das Haus für Senioren der Diakonie. Somit stehen ab Pflegestufe 4 in ganz Wels 582 Plätze zur Verfügung, davon 422 bei der Stadt (mit 20 in den Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz in der ehemaligen Dragonerkaserne).

In den vergangenen Jahren lag das durchschnittliche Alter der Bewohner ziemlich konstant bei etwa 85,5 Jahren. Erhöht hat sich allerdings die durchschnittliche Pflegestufe von 3,5 auf 4,5. Eine weitere große Herausforderung für das Personal ist auch die immer kürzere Verweildauer in den Heimen: Waren es 2015 noch 105 neue Bewohner pro Jahr, so stieg die Zahl 2019 auf 164. Alleine im heurigen Jänner und Februar kamen 43 Neueintritte dazu. Auf der Warteliste stehen derzeit acht Personen – vor allem, weil sie in einem bestimmten Heim untergebracht werden wollen.

Personalstand

Aktuell kümmern sich in der Dienststelle Seniorenbetreuung 266 Mitarbeiter um die Pflege (davon arbeiten 92 Prozent in Teilzeit), 78 weitere sind in den Bereichen Verwaltung, Reinigung, Küche und Technik tätig. Es gibt laufend Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit, eine aktuelle befindet sich gerade in Auswertung. Obwohl noch kein endgültiges Ergebnis vorliegt, zeichnete sich bereits folgendes Bild ab: Aufgrund des guten Arbeitsumfeldes in der städtischen Seniorenbetreuung fühlt sich die große Mehrheit der Mitarbeiter den beruflichen Anforderungen gewachsen.

Strategien

Die Stadt Wels hat den Vorteil, über zwei „kleine“ Häuser der Seniorenbetreuung (Leopold Spitzer und Noitzmühle mit je 72 Plätzen) zu verfügen. Dies führt zu höherer Arbeitszufriedenheit, und die Personalsuche wird dadurch etwas erleichtert. Diese wird dennoch auch für die städtischen Senioreneinrichtungen immer herausfordernder.

Auf Initiative von Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt werden daher folgende Maßnahmen zeitnah umgesetzt:

• Die Einspringpauschale für ungeplante Einsätze an Samstagen wird finanziell voll abgegolten. Bisher war das nur an Sonntagen der Fall.
• Im Rahmen der Möglichkeiten sollen die Arbeitszeiten noch familienfreundlicher werden.
• Mitarbeitern wird ein Kinderbetreuungsplatz bei der Stadt Wels garantiert.
• Bei der Anerkennung ausländischer Diplome werden zukünftige Mitarbeiter unterstützt, um die Verfahrensdauer deutlich zu verkürzen. Es wird angestrebt, dass in Wels Nostrifizierungskurse abgehalten werden.
• Die Stadt Wels unterstützt verstärkt Aus- und Weiterbildungen zur Höherqualifizierung des Pflegepersonals.
• Mitarbeiter mit Diplomausbildung (Diplom-Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Diplom-Sozialbetreuer) sollen gleichgestellt werden.
• Durch den Einsatz von Tablets soll das Fachpersonal Daten künftig nicht mehr mehrmals erfassen müssen. Damit soll mehr Zeit für die Pflege zur Verfügung stehen. Die Kosten dafür werden derzeit evaluiert.
• Bereits jetzt leisten ehrenamtliche Helfer sehr wertvolle Unterstützung für die Pflegemitarbeiter. Künftig sollen diese Freiwilligen noch stärker  eingebunden werden.
• Das Gleiche gilt für Praktikanten, Zivildiener und das sonstige unterstützende Personal (auch aus dem Berufsorientierten Sozialen Jahr).
• Die Belastung der Mitarbeiter durch psychische und körperliche Gewalt ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Die Ursachen und genauen Umstände werden nun erforscht. Bereits jetzt stehen den Mitarbeitern in herausfordernden Situationen stets das Team und die Führungskräfte zur Seite. Zudem besteht in solchen Fällen die Möglichkeit professioneller externer Begleitung und Beratung. 
• Bereits jetzt unterstützen eine klinische Psychologin und eine Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie im Haus Neustadt die Mitarbeiter hinsichtlich Pflege von Bewohnern mit Demenz. Diese Möglichkeit soll auch in den weiteren Häusern angeboten werden.
• Zur Entlastung des Pflegepersonals kauft die städtische Seniorenbetreuung bereits jetzt Expertenleistungen zu. Ein aktuelles Beispiel ist das Hygienemanagement.
• Im Bereich Personalmanagement sollen potenzielle Bewerber mit verschiedenen Werbemaßnahmen verstärkt von einer Anstellung in der städtischen Seniorenbetreuung (Stichwort: „Die Stadt Wels als attraktiver Arbeitgeber“) überzeugt werden.
• Das Angebot alternativer Wohnformen mit Anbindung an Pflegeheime für Menschen mit niedriger Pflegestufe (1 bis 3) soll erweitert werden.

Bereits im Laufen sind zwei weitere Projekte:

Schnupperjahr als Einstieg

Mit dem berufsorientierten Sozialjahr in der Seniorenbetreuung gibt die Stadt Wels interessierten jungen Menschen ab 16 Jahren die Möglichkeit, sich auf eine entsprechende Ausbildung vorzubereiten. Diese Tätigkeit dient auch zur Überbrückung zwischen dem Alter als Schulabgänger und jenem für den Einstieg in die Sozialberufe. Die Teilnehmer arbeiten freiwillig in einem der Häuser der Seniorenbetreuung der Stadt, im Tageszentrum oder in den Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz mit und kümmern sich mit den ausgebildeten Pflegekräften um die Bewohner. Das berufsorientierte Sozialjahr dauert in der Regel zwölf Monate, Dauer und Ausmaß können jedoch individuell festgelegt werden. Nähere Infos bei der Dienststelle Personal unter Tel. +43 7242 235 4100.

Wels unterstützt pflegende Angehörige

Wer ältere Familienangehörige selbst pflegt, ist einer großen Belastung unterworfen. Aus diesem Grund bietet die Stadt das Projekt AngehörigenEntlastungsDienst (AED) an: Dieser richtet sich primär an pflegende Angehörige, die im Familienverband über einen längeren Zeitraum die Pflege und Betreuung einer Person mit Pflegestufe drei bis sieben – oder mit diagnostizierter Demenz – übernehmen. Ziel ist es, pflegenden Angehörigen Zeit für private Aktivitäten und Erholungsphasen zu ermöglichen. Aufgrund der angespannten Situation am Arbeitsmarkt wendet sich die städtische Seniorenbetreuung für den AED verstärkt an pensionierte Pflegemitarbeiter: Nach einem Informationsabend Ende 2019 konnten sich acht dieser Personen vorstellen, beim AED mitzuwirken.

Zitat

Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt: „Die Seniorenbetreuung der Stadt Wels ist gut aufgestellt. Das liegt zum Großteil daran, dass unsere Mitarbeiter mit sehr viel Engagement und Kompetenz unsere älteren Menschen betreuen und pflegen und ihnen ein Altern in Würde ermöglichen. Deshalb ist es notwendig, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern.“

Textquelle: Stadt Wels



Bildquelle: Stadt Wels
 



FP-Wels, am 02.03.2020





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