Wels rettet die Bienen

Im Februar 2018 hatte das Europäische Parlament die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, sich verstärkt für den Schutz der Bienen zu engagieren. Wels hat mit Unterstützung des Imkervereines einen Aktionsplan zur Förderung dieser Insekten im Stadtgebiet erarbeitet.

Allgemeines

Bienen sind faszinierende Lebewesen mit unermüdlichen Fleiß, exakter Arbeitsteilung und beinahe unglaublichen Instinkten und Fähigkeiten. Ohne ihre Bestäubung von Pflanzen gäbe es diese nicht und in weiterer Folge auch keine Tiere und Menschen mehr. Neben dem Honig erzeugen sie weitere Produkte, wie Gelée Royale oder Propolis, die dem Menschen gesundheitlich zu Gute kommen. Jedoch sind Honig- und Wildbienen heutzutage durch eine Vielzahl von Einflüssen bedroht. Ziel des Welser Projektes ist es, den Tieren einen Lebensraum zu geben, aber auch deren Lebensweise einer breiteren Zahl von Menschen näherzubringen.

Inhalt des Projekts

Im Frühjahr 2019 werden im Welser Stadtgebiet an drei Standorten dauerhaft insgesamt neun Bienenvölker angesiedelt: Und zwar beim Budokan-Sportzentrum (Pulverturmstraße 5), beim Altstoffsammelzentrum Wels-Nord (Florianiweg 9) und bei der Energie AG Umwelt Service (ehemals AVE, Mitterhoferstraße 100). Von dort aus werden die Insekten tagtäglich Pflanzen im Umkreis von etwa zwei Kilometern bestäuben und Nektar sammeln, den sie anschließend zu Honig „umarbeiten“.

Der Nutzen für die Allgemeinheit ergibt sich aus der Bestäubungsleistung der Bienen: Beim oben genannten Flugradius von etwa zwei Kilometern ergibt das eine Fläche von bis zu 1.200 Hektar. Insbesondere freuen können sich Besitzer von Obstbäumen: Wenn diese im Flugradius von Honigbienen stehen, haben diese aufgrund der funktionierenden Bestäubung einen bis zu 200 Prozent erhöhten Ertrag.

Die komplette Betreuung der Bienenvölker bis hin zur Honigernte sowie Abfüllung und Etikettierung der Gläser übernehmen drei erfahrene Welser Imker. Der Honigertrag liegt in Oberösterreich durchschnittlich bei rund 25 Kilogramm pro Jahr und Volk. Hochgerechnet ergäbe das 1.800 Gläser zu je 125 Gramm. Der Honig bleibt bei den betreuenden Imkern, die Stadt Wels als Eigentümerin der Bienenvölker garantiert die Abnahme von 500 Gläsern für Seniorenehrungen. Das süße Bienenprodukt kann weiters als Verkaufsartikel, Weihnachtsgeschenk oder Werbegeschenk zum Einsatz kommen.

Die Imker planen außerdem Führungen und Exkursionen zu den Bienenvölkern. Diese richten sich nicht nur an erwachsene Interessierte, sondern vor allem an Kinder im Schulalter. Durch Kooperationen mit Schulen oder Aktivitäten in den Sommerferien könnten bereits die kleinen Welser frühzeitig ein Gefühl dafür entwickeln, wie wichtig die Bienen für die Allgemeinheit sind. Aktuell gibt es bereits den Bienenerlebnisweg des Imkervereins Wels (siehe unten).

Neben dem Imkerverein hat sich auch die Lebenshilfe bereit erklärt, am Bienenprojekt mitzuwirken. Welser Klienten der Organisation für geistig und mehrfach Beeinträchtigte werden in der Werkstätte insgesamt zehn Insektenhotels anfertigen. Diese werden ebenfalls über das Stadtgebiet verteilt aufgestellt und unterstützen neben den Bienen auch andere nützliche Insekten beim Nisten und Überwintern.

Aktivitäten der Stadtgärtnerei

Auch die Welser Stadtgärtnerei fördert seit Jahren, Bienen und andere nützliche Insekten im Stadtgebiet anhand verschiedener Maßnahmen. An erster Stelle sind hier zu erwähnen:

• der Verzicht auf jegliche Pestizide seit 2012,
• das insektenfreundliche Mähen zahlreicher eigner Grünflächen sowie
• die Anlage von Wildblumenbereichen als Lebensraum und Nahrungsquelle (Nektar und Blütenstaub)

Aktuell beträgt die Fläche für Wildblumen in Wels-Stadt rund 12.600 Quadratmeter. Zusätzliche Wildblumenstreifen würden sich in nahezu allen Bereichen des städtischen Grüns anbieten: In Frage kämen etwa Grünflächen bei Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen, Amtsgebäuden und Sportanlagen, aber auch bestimmte Bereiche des Straßenbegleitgrüns, wie etwa Kreisverkehre oder Straßenzüge am Stadtrand.

Weiters kooperiert die Stadtgärtnerei schon seit längerem eng mit dem Welser Imkerverein. In einem Waldstück in Mitterlaab in Wels-Nord befindet sich der städtische Obstlehrgarten: Dort gedeihen alte, selten erhältliche Sorten. Seit rund einem Jahr ist dort auch ein Bienenhotel des Vereines aufgestellt, um die Bestäubung der Obstbäume sicherzustellen. Direkt nebenan bietet der Bienenweg auf sieben Schautafeln viel Wissenswertes über das Leben der nützlichen Insekten.

Seit dem Vorjahr stehen drei Bienenstöcke von Bio-Imker Karl Zaunmair auf dem Gelände des Zentralen Betriebsgebäudes (Schießstättenstraße 50). Neben der Bestäubung der umliegenden Pflanzen und Obstbäume entstehen dort jährlich bis zu 30 Kilogramm „Biohonig aus der Stadtgärtnerei“. Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Imkerverein retteten Stadtgärtner bei der Baustelle zum Parkdeck beim Hauptbahnhof ein Bienenvolk. Und im Energiepark (ehemals Gaswerkpark) in der Innenstadt wurde ein Kastanienbaum bewusst als „Bio-Bienenhotel“ erhalten.

Im Tiergarten (Stadtpark 1) gab es im Rahmen des städtischen Sommerferienprogramms 2018 erstmals den Workshop „Mission Wildbiene“. Dieser findet auch heuer wieder statt, und zwar am Mittwoch, 14. August. Angedacht ist im Tiergarten auch ein Infostand zum Thema Bienen.

Fazit

Neben den aktuellen und bereits länger bestehenden Bemühungen der Stadt braucht es ein gemeinsames Bekenntnis der Bevölkerung zum Schutz der Bienen: So sollen beispielsweise Unternehmen und Privatpersonen ihre Grünflächen, Balkone etc. und die Landwirte ihre Äcker, Wiesen und Felder möglichst bienenfreundlich gestalten beziehungsweise bewirtschaften.

Zahlen und Fakten

• Zehn Bienen wiegen ein Gramm.
• Eine Biene fliegt in zwei Minuten einen und in ihrem ganzen Leben 8.000 Kilometer.
• Ein Kilogramm Honig entspricht der Lebensarbeit von 350 bis 400 Bienen.
• Oder anders gesagt: Für ein Kilogramm Honig müssen Bienen drei Kilogramm Nektar von Blüten eintragen, 450.000 Ausflüge machen und 60.000.000 Blüten besuchen. Die Flugstrecke aller Bienen reicht dafür sieben Mal um die Erde.
• Die Winterbiene wird bis zu sechs Monate alt, die Sommerbiene lebt nur sechs Wochen, während der sie unermüdlich Honig sammelt.
• Eine Bienenkönigin kann bis zu fünf Jahre alt werden sowie im Mai und Juni bis zu 2.000 bis 3.000 Eier legen. Eine Bienenlarve bekommt 2.000 Pflegebesuche.
• Aus befruchteten Eiern entstehen Arbeiterinnen (weibliche Bienen), aus unbefruchteten Eiern entstehen Drohnen (männliche Bienen). Jedes befruchtete Ei einer noch nicht drei Tage alten Arbeiterinnenlarve kann zu einer Königin werden. Nur diese legt Eier.

Zitate

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Wir wollen in unserer Stadt den Bienen das Überleben sichern. Vielen ist die Bedeutung der Bienen für unsere Gesellschaft nicht bewusst. Die Honigbiene ist nach dem Schwein und dem Rind das drittwichtigste Nutztier. Deshalb müssen wir alle an einem Strang ziehen und uns für den Schutz dieser Insekten einsetzen. Mit dem Aktionsplan ‚Rettet die Bienen‘ setzen wir einen weiteren Schritt, um die Lebensbedingungen der Bienen zu verbessern.“

Umweltreferentin Vizebürgermeisterin Silvia Huber: „Als zuständige Referentin war mir der Schutz der Bienen immer wichtig. Die Stadtgärtnerei hat hier in den vergangenen Jahren bereits wichtige Aktivitäten gesetzt. Bienen sind enorm wichtig für die Umwelt und in weiterer Folge für die Tier- und Menschheit. Ich danke allen Beteiligten für die wertvolle Hilfe. Nur gemeinsam können wir diese nützlichen Insekten retten!“



Bildhinweise: Stadt Wels (Pressegespräch) sowie Erich Sinzinger (Imkerbilder). Bei Nennung Abdruck jeweils honorarfrei.

Textquelle: Stadt Wels



FP-Wels, am 26.03.2019





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