Integrationsstudie: Stadt Wels verstärkt Maßnahmen bei Kindern und Eltern

Im Mai 2016 hatte der Welser Stadtsenat einstimmig das Departement für Migration und Globalisierung der Donau Universität Krems mit der Erstellung einer Integrationsstudie beauftragt. Die Ergebnisse sowie die Schlussfolgerungen liegen nun vor. Thematisch bauten Autorin Univ.-Prof. em. Mag. Dr. Gudrun Biffl und ihr Team ihre Studie auf der 2007/2008 erstellten wissenschaftlichen Arbeit „Integration in Wels“ auf. Zusätzlich zur Aktualisierung der statistischen Daten ist auch ein spezieller Bereich zur Elternbeteiligung in den Pflichtschulen enthalten.

Hauptaussagen der Studie

Die volle Freizügigkeit innerhalb der EU (Ausnahme Kroatien mit Übergangsregelungen bis längstens 30. Juni 2020), die Neuregelung der Zuwanderung durch die Rot-Weiß-Rot-Karte, eine starke Fluchtmigration sowie Neuregelungen der Integration legen eine Neuorientierung der österreichischen Migrationspolitik nahe. Das sieht das Regierungsprogramm für 2017 bis 2022 auch vor, was nicht ohne Auswirkungen auf die Regionalpolitik bleiben dürfte. Vor diesem Hintergrund ist auch die vorliegende Studie mit Fokus auf Kinder und Bildungsintegration zu verstehen.

Wels zählt zu den Regionen Österreichs mit dem höchsten Anteil an Migranten an der Bevölkerung. Dies ist nicht zuletzt eine Folge der langen Tradition der Arbeitskräftezuwanderung. Von den knapp 60.700 Einwohnern in Wels (Hauptwohnsitze zum Zeitpunkt der Studienerstellung) haben 23 Prozent (rund 14.000 Personen) eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Tendenz ist steigend. Etwas mehr als die Hälfte des Anstiegs zwischen 2002 (damals 16 Prozent) und 2017 entfällt auf EU-Angehörige. Der Anteil der Personen, die im Ausland geboren wurden, ist noch deutlich höher als der Ausländeranteil (29 Prozent). Ein Drittel davon kommt aus der EU.

Laut Statistik Austria lag der Anteil von Kindern mit nicht deutscher Umgangssprache an Welser Volksschulen 2015/2016 bei 64 Prozent. Während 67 Prozent der Schüler in den Neuen Mittelschulen eine andere Umgangssprache als Deutsch hatten, betrug der Anteil in der AHS-Unterstufe nur 17 Prozent. Darin spiegelt sich eine geringe Bildungsmobilität. Vor dem Hintergrund des generell hohen Anteils von bildungsfernen Migranten und der großen Bedeutung der Elternarbeit im Zusammenwirken mit schulischer Förderung der Kinder haben die Studienautorin und ihr Team die Welser Situation qualitativ untersucht: Und zwar in Form von zwei Fokusgruppen mit Lehrkräften an ausgewählten Welser Volksschulen und 25 leitfadengestützten Interviews mit Eltern.  
Dabei gab es etwa übereinstimmende Wahrnehmungen bei Schwierigkeiten mit schulischen Leistungen. Die Lehrer stellen hier mangelnde Unterstützung der Eltern bei den Rahmenbedingungen für das Lernen fest. Eltern sehen hingegen Lernen und Lernunterstützung als Aufgabe der Schule, da sie selbst oft damit überfordert sind. Auch bei der Wichtigkeit der Einbeziehung der Eltern in den Schulalltag sind sich Lehrkräfte und Eltern grundsätzlich einig. Warum dies in der Praxis oft nicht so gut funktioniert, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander: Die Lehrkräfte sehen fehlendes Engagement der Eltern, während die Eltern zeitliche Probleme (z.B. wegen Berufstätigkeit, Alleinerziehung oder mehreren Kindern), aber auch sprachliche Unsicherheiten anführen.

Diese Sprachdefizite vieler Eltern führen grundsätzlich zu Problemen in der Kommunikation zwischen Lehrern und Elternhaus: Viele unterschreiben zwar das Mitteilungsheft, verstehen aber offensichtlich die Botschaften darin nicht wirklich. In jedem Fall setzt eine verstärkte Einbindung der Eltern eine verstärkte Elternbildung voraus: Es geht darum, dass auch Eltern mit Migrationsgeschichte wissen, was von ihnen verlangt oder erwartet wird, damit sie dementsprechend reagieren können.

Was tut die Stadt Wels bereits jetzt?

Die Studie rät etwa zur intensiven Lernunterstützung. Diese gibt es bereits mit der „Lernwerkstatt Deutsch“: In den Stadtteilen Noitzmühle und Gartenstadt machen rund 90 Schüler aus 14 Ländern an drei Tagen in der Woche unter Anleitung von 15 pädagogisch geschulten Lernbegleitern ihre Hausübungen. Unterstützung gibt es auch beim Erwerb der deutschen Sprache, beim sozialen Lernen und bei der Vermittlung von Werten. Regelmäßige Elterntreffs fördern die Kommunikation zwischen Lernbegleitern, Eltern und Kindern. Lehrer und Schulsozialarbeit sind ebenfalls eingebunden.

In den Kindergärten sind bereits 42 Sprachpädagogen im Einsatz: Diese kümmern sich in Kleingruppen ausschließlich um die Sprachförderung von derzeit rund 920 Kindern ab dem dritten Lebensjahr. Weiters arbeiten in den Kindergärten und Horten der Stadt Wels – wie in der Studie emp-fohlen – bereits jetzt 32 Pädagogen und Helfer mit Migrationshintergrund, diese können somit Kinder und Eltern bei der Kommunikation auch sprachlich unterstützen.

Auch die Empfehlung zur verstärkten Zusammenarbeit mit ausländischen Kulturvereinen wird durch permanente Kontakte und Besuche bereits intensiv gelebt. Beide Seiten sehen dabei die Themen Bildung und Sprache als enorm wichtig für die Integration und zum „Ankommen in Wels“ an.

Neue Angebote

Aus den bisherigen Erfahrungen erscheint es zu spät, erst im Schulalter mit der Elternbildung und der Förderung der Kinder zu beginnen. Daher setzt die Stadt Wels mit ihren neuen Maßnahmen verstärkt bereits ab dem Kindergartenalter an. Zentral ist dabei, den Eltern ihre Verpflichtung klarzumachen, dass ihre Kinder möglichst bald und korrekt die deutsche Sprache erlernen. In Kooperation mit der Dienststelle Schule, Sport und Zukunft – und einem Projekt des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds – führt das pädagogische Fachpersonal der Dienststelle Kinderbetreuung Eltern-Workshops zum Thema Kommunikation durch. 
Ziel ist es, einfache und bewährte Möglichkeiten der Kommunikation aufzuzeigen, diese mit theoretischem Fachwissen zu belegen, mit Praxisbeispielen anzureichern und eine Diskussionsplattform für regen Austausch zu schaffen. Die Workshops machen den Eltern klar, wie wichtig es ist, ihren Kindern echte Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen alltäglich etwas zu erzählen oder zu erklären (etwa in Form einer Gute-Nacht-Geschichte). Der Einsatz von „berieselnden“ Medien wie Fernseher, Videos und Spielen auf dem Smartphone oder Tablet etc. wird hingegen kritisch hinterfragt.

Insgesamt gibt es vorerst fünf derartige Workshops zu je zweieinhalb Stunden. Einer davon – „Worte als erste Schritte ins Leben“ – hat bereits stattgefunden. Die Referenten sind erfahrene und speziell ausgebildete pädagogische Fachkräfte aus der städtischen Kinderbetreuung. An jedem Termin steht ein anderer Schwerpunkt zum Thema Kommunikation im Vordergrund. In den städti-schen Kinderbetreuungseinrichtungen werden die Eltern mittels Gruppenaushang und durch das pädagogische Personal über die Workshops informiert. Darüber hinaus erhalten auch die privaten Kinderbetreuungsträger sowie Lerngruppen, Migrantenvereine etc. die Information.

Restliche Workshoptermine

• Sprachförderung im Kindergarten: Dienstag, 27. Februar von 17:30 bis 20:00 Uhr im Kindergarten Wimpassing (Wimpassingerstraße 33).
• Der Sprachbaum: Montag, 12. März von 17:30 bis 20:00 Uhr im Kindergarten Siebenbürgerstraße (Siebenbürgerstraße 19).
• Streiten oder Reden: Dienstag, 3. April von 17:30 bis 20:00 Uhr im Kinderhort Herrengasse (Herrengasse 8).
• Handy oder Gute-Nacht-Geschichten: Dienstag, 17. April von 17:30 bis 20:00 Uhr im Kindergarten Pernau (Lessingstraße 8).

Zitate

Integrationsreferent Vizebürgermeister Gerhard Kroiß: „Bildung und Sprache als wichtige Schritte zur Integration sind uns allen bekannt. Dass wir im Kindergartenalter ansetzen müssen hat die Studie bestärkt und zukünftig wird unser Schwerpunkt in diesem Bereich liegen!  Neben der entsprechenden Betreuung und Lernbegleitung der Kindern gilt es aber auch, die Eltern verstärkt in ihre Verantwortung und Pflicht zu nehmen!“

Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt: „Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, bereits im Kindergartenalter mit entsprechenden Maßnahmen zu beginnen. Die neuen Workshops vermitteln den Eltern, dass es enorm wichtig ist, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen und viel mit ihnen zu sprechen. Nur so können die Kleinen frühzeitig die deutsche Sprache richtig erlernen.“

Textquelle: Stadt Wels
 



FPÖ-Wels, am 19.02.2018





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