„Soziales Wels 2030“: Steigende Anzahl an Senioren stellt große Herausforderung für die Stadt Wels dar

Die Fakultät für Medizintechnik und Angewandte Sozialwissenschaften der FH OÖ in Linz wurde von der Stadt Wels mit dem Projekt „Soziales Wels 2030“ beauftragt. Ziel des Projekts war es, die empirischen Grundlagen für die strategische Sozialplanung der Stadt Wels zu schaffen, mögliche Szenarien und Trends für einzelne Handlungsfelder zu skizzieren sowie für ausgewählte Themenbereiche Good-Practice-Beispiele als Orientierung zur Verfügung zu stellen.

Die Projektergebnisse sollen Ziele und Prioritäten insbesondere für folgende Handlungsfelder und Zielgruppen liefern:
• Kinder und Jugendliche
• Senioren
• Menschen mit Beeinträchtigung
• Armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen

Auf den folgenden Seiten werden die Forschungsergebnisse des Bereich „Senioren“ präsentiert. Die Ergebnisse der Bereiche „Soziales“ und „Jugend“ werden bei weiteren Pressekonferenzen vorgestellt.

In Wels lebten 2015 etwa 10.800 Menschen in der Altersgruppe „65+“. Bis 2030 und darüber hinaus wächst diese Bevölkerungsgruppe auf 13.500 Personen an (+ 1700 Personen). Die Entwicklung dieser Altersgruppe lässt steigende Sozialausgaben im Seniorenbereich erwarten. Wels hat einen hohen Anteil an Ein-Personen-Haushalten in der Altersgruppe 60+. Dieser nimmt vermutlich mit der steigenden Zahl Älterer weiter zu.

Die Angebotsstruktur im Bereich Senioren zeichnet sich durch ein gut ausgebautes Angebot und innovative Ansätze aus. Laut vorhandenen Daten aus dem Oö. Bedarfs- und Entwicklungsplan (2015) sind bis 2030 ausreichend APH-Plätze vorhanden. Viele ältere Welser wohnen in nicht barrierefreien Eigenheimen oder Eigentumswohnungen. Möglicherweise wäre die Förderung des Umzugs in kleinere Wohnungen sinnvoll. Mit Perspektive 2030 bietet sich an, das Augenmerk statt auf den Wohnungsneubau mehr auf Weiterentwicklungen im Wohnungsbestand zu legen.

Details sowie weitere Einschätzung der derzeitigen Angebote und mögliche Prioritäten für die Seniorenarbeit in Wels bis 2030 finden sich auf den Seiten 5 bis 8 dieser Unterlage.

Zum Projekt

Auf Wunsch der Stadt Wels legten die Forscher ihren Fokus besonders auf folgende Themen:
• Abbildung des Ist-Standes: Welche Angebote sind vorhanden und welche Themen/Bedarfe können abgedeckt werden?
• Wo gibt es ‚blinde Flecken‘ (u.a. im Hinblick auf Zahlen, Daten bzw. Indikatoren)?
• Welche Best-Practice-Beispiele und Literaturempfehlungen (insbesondere in Bezug auf Trends, Entwicklungen) gibt es, bezogen auf einzelne Handlungsfelder?
• Welche Veränderungen und Trends sind in den einzelnen Feldern erkennbar? Dabei geht es weniger um den quantitativen, sondern um den qualitativen Aspekt.
• Der Zeithorizont sollte im Rückblick den Zeitraum 2000 bis 2015 umfassen und in der Vor-schau die Zeit bis 2030 berücksichtigen.
• Die Finanzierbarkeit ist ein wichtiger Gesichtspunkt bei den Überlegungen: Grundsätzlich soll-te es um leistbare Lösungen gehen, das Ausloten von Synergien, auch zwischen verschiedenen Anbietern, sollte mitbedacht werden.
• Gewünscht wird das Aufzeigen innovativer Lösungen (z.B. mit Blick auf andere Städte/Län-der).
• Migration sollte als Querschnittsthema in den einzelnen Handlungsfeldern mitbedacht wer-den.
• Auf methodisch-inhaltlicher Ebene sollten zeitgemäße Konzepte und Wege zu einer innovati-ven, modernen Sozialplanung aufgezeigt werden.


Die Abbildung zeigt die Realisierungsschritte des Projektes.

Drei Professorinnen und Professoren forschten seitens des Departments für Gesundheits-, Sozi-al- und Public Management an der Fakultät für Medizintechnik und Angewandte Sozialwissenschaften für ein Soziales Wels 2030:
• FH-Prof. Dr. Brigitta Nöbauer als Projektleiterin
• FH-Prof. Dr. Renate Kränzl-Nagl als stellvertretende Projektleiterin (ab 1.2.2016) und methodische Begleitung sowie
• FH-Prof. Dr. Anton Konrad Riedl (stellvertretender Projektleiter bis 31.1.2016)

Außerdem waren für das Projekt zwischen November 2015 und November 2016 zwei wissenschaftliche Mitarbeiter in einem Stundenausmaß von 13 und zehn – in den letzten Monaten 20 – Wochenstunden beschäftigt. Dies ergibt über die Projektlaufzeit insgesamt mehr als 2000 Stunden an wissenschaftlicher Arbeit. Zusätzlich wurden im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Abschlussarbeiten des Departments für Gesundheits-, Sozial- und Public Management ausgewählte Aspekte des Projektes ‚Soziales Wels 2030‘ bearbeitet.

Auf den folgenden Seiten werden die Forschungsergebnisse aus dem Teilbereich „Senioren“ präsentiert. Die Teilergebnisse der Bereiche „Soziales“ und „Jugend“ werden im Rahmen zwei weiterer Pressekonferenzen vorgestellt.

Erwartete (soziodemografische) Entwicklungen
bei Senioren in Wels

Zusammenfassend sehen die wesentlichen Entwicklungen, die für die Sozialplanung im Bereich Senioren relevant sind, so aus:

• In Wels lebten 2015 etwa 10.800 Menschen in der Altersgruppe „65+“. Bis 2030 und darüber hinaus wächst die Bevölkerungsgruppe 65+ auf 13.500 Personen an (+ 1700 Personen). Besonders stark betrifft das die Altersgruppen 80+ („Hochaltrige“) (2015: 2730 Personen, 2030: 4250 Personen = + 1520 Personen bzw. + 55 Prozent). Am stärksten steigt die Zahl der 85+, nämlich um 900 Personen oder 62 Prozent gegenüber 2015.

• Die Entwicklung der Altersgruppe 65+ lässt steigende Sozialausgaben im Seniorenbereich erwarten. Überlegungen zur Kostendämpfung – etwa durch zusätzliche Finanzierungsquellen oder freiwilliges Engagement – sind daher naheliegend.

• Bei den Hochaltrigen steigt die Zahl der Männer stärker als die der Frauen. Das wird Auswir-kungen auf die Nachfrage nach Dienstleistungen oder in der Freizeitgestaltung haben.

• Nicht alle Anspruchsberechtigten werden Betreuungs- und Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Ein großer Teil der alten Menschen wird gesund und rüstig sein und sogar ein informelles Pflegepotenzial bzw. das Potenzial für freiwilliges Engagement darstellen. Nur der kleinste Teil der Hochaltrigen wird pflegebedürftig sein und umfassende Unterstützung benötigen. Ein weitaus größerer Teil greift auf leistbare, alltagsnahe Unterstützungsleistungen zurück. Laut einer Studie aus 2015 werden über 50 Prozent der 80+ keinen gravierenden, 35 Prozent leichten Hilfebedarf haben und nur etwa 10 Prozent schwer pflegebedürftig sein. Die Anzahl der Bürger im Alter von 80 + bis 2040  wird sich annährend vordoppeln (2015: 2730 Menschen, 2040: 5421 Menschen) und gleichzeitig ist mit einer Verdoppelung auch der schwer Hilfsbedürftigen (2015: 273 Menschen, 2040: 542 Menschen) zu rechnen.

• Wels hat einen hohen Anteil an Ein-Personen-Haushalten in der Altersgruppe 60+. Dieser nimmt vermutlich mit der steigenden Zahl Älterer weiter zu. Bei der Gruppe 85+ ist der Ein-Personen-Haushalt die typische Haushaltsform. So werden in der Vogelweide 268 Haushalte von Menschen 85+ bewohnt. Diese Personen werden mit höherer Wahrscheinlichkeit Dienst-leistungen nachfragen. Der Anteil der in der Familie geleisteten informellen Betreuung und Pflege dürfte wegen fehlender räumlicher Nähe und Einstellungsänderungen bei Pflegenden wie Pflegebedürftigen („Ich will niemandem zur Last fallen“) zurückgehen. Dies wird teilweise durch neue Formen organisierter formeller und informeller Unterstützung aufgefangen.

• Die Hochaltrigen verteilen sich unterschiedlich über die einzelnen Zählbezirke in Wels. Auch die Wohnsituation Älterer ist in den einzelnen Welser Zählbezirken unterschiedlich hinsichtlich Wohnform (Haus, Wohnung) und Infrastruktur. Eine Infrastruktur, welche die Bewältigung des Alltages gut unterstützt, wird seitens der Älteren als wesentliche Erwartung formuliert. Sie ist eine Voraussetzung für eine möglichst lange selbständige Lebensführung in den eigenen vier Wänden. Eine sozialräumliche Analyse und Planung von Leistungen unterstützt die Entwicklung adäquater wohnortnaher Infrastruktur und Dienstleistungen.

• 55 Prozent der 55- bis 65-Jährigen bewohnen in Wels eine Wohnung, 45 Prozent ein Haus mit Garten. Nur 20 Prozent schätzen ihre Wohnung/ihr Haus als barrierefrei ein, weitere 30 Prozent teilweise. Knapp 90 Prozent der Befragten wollen aber in der jetzigen Wohnung bleiben.

• Ein Anteil von 20 Prozent der Gruppe älterer Menschen hat Migrationshintergrund. Der Groß-teil von ihnen ist im ehemaligen Jugoslawien oder in der Türkei geboren. Sie haben eine von Religion und Kultur geprägte Einstellung zu Betreuungs- und Pflegeleistungen.

• In Bezug auf demenzielle Erkrankungen wird ein weiterer Anstieg der Prävalenz (Erkrankungen insgesamt) auf Grund der steigenden Anzahl Älterer, aber eine stagnierende Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen) erwartet. Laut einer Prognose der OÖGKK wird die Zahl der Demenzerkrankungen in Wels von 970 im Jahr 2015 auf 1300 im Jahr 2030 steigen. Die Eindäm-mung von Demenz setzt präventive Maßnahmen und frühzeitige Behandlung voraus.

• Ältere haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen, technischer Unterstützung und Dienstleistungen im Alter. Maßgeblich sind verfügbare finanzielle Ressourcen, Bildungsniveau und das soziale Netzwerk („Lebensstile“). Das erschwert die längerfristige Planung, zeigt aber, dass Vielfalt bei der Angebotsgestaltung künftig wichtiger wird.

Einschätzung der derzeitigen Angebote und
mögliche Prioritäten für die Seniorenarbeit in Wels bis 2030

Die Angebotsstruktur im Bereich Senioren zeichnet sich durch ein gut ausgebautes Angebot und innovative Ansätze in vielen Bereichen aus. Erwartete künftige Entwicklungen zeigen aber auch Handlungsbedarfe auf.

• Die Alten- und Pflegeheime in der Stadt Wels folgen aktuellen Konzepten (Hausgemein-schaften, Voraussetzungen für Quartiersanbindung). Laut vorhandenen Daten aus dem Oö. Bedarfs- und Entwicklungsplan (2015) sind bis 2030 ausreichend APH-Plätze vorhanden. Erst danach werden die Babyboomer hochaltrig.

• Für die 24-Stunden-Betreuung liegen nur Daten auf Basis der Leistungen des Sozialministeriumsservice vor, die Nachfrage ist schwer einzuschätzen. Bis 2030 geht die Bundesregierung von einer Verdreifachung auf rund 600 Personen in Wels aus. Die 24-Stunden-Betreuung wird auch in Zukunft eine wichtige Säule in der Betreuungslandschaft neben Heimen und zu entwickelnden alternativen Betreuungsformen bleiben. Zu klären wäre, ob das Angebot seitens der Stadt Wels bewusst forciert wird. In diesem Fall ist ein begleitendes qualitätssicherndes Engagement als RTSH empfehlenswert.

• Viele ältere Welser wohnen in nicht barrierefreien Eigenheimen oder Eigentumswohnungen. Beratungsangebote zur Wohnraumanpassung können einen längeren Verbleib in den eigenen Wänden unterstützen. Möglicherweise wäre die Förderung des Umzugs in kleinere Wohnungen sinnvoll: Ältere würden in leistbarem Wohnraum leben und selbst die Wohnung versorgen. Für Mehrpersonen-Haushalte würde mehr Wohnraum frei. Die Eignung dieser Maßnahme wäre mit den Wohnungsgenossenschaften an Hand konkreter Daten zu prüfen.

• Die Stadt Wels nimmt oberösterreichweit eine Vorreiterrolle in der Pilotierung alternativer Wohnformen - Wohnen mit Service, Wohngemeinschaften für Demenzkranke oder Generationenwohnen - ein. Allgemeine Trends und die Präferenzen älterer Menschen gehen von einer
steigenden Nachfrage nach alternativen Wohnformen mit passgenauen Zusatzleistungen aus. Die Zukunft scheint daher in attraktiven Wohnangeboten mit umfassenden, flexiblen Unterstützungsleistungen zu liegen, wie dies in Wels begonnen wurde. Zusatzleistungen werden häufig in einem Versorgungsmix von professionellen Dienstleistern und ‚Verantwortungsgemeinschaften‘ erbracht, wie dies in Hausgemeinschaftsmodellen der Fall ist. Diese Verantwortungsgemeinschaften kompensieren zum Teil fehlende familiäre Bindungen. Diese aufzubauen könnte ein Schwerpunkt künftiger Quartiersarbeit werden.

• Mit Perspektive 2030 bietet sich an, das Augenmerk statt auf den Wohnungsneubau mehr auf Weiterentwicklungen im Wohnungsbestand zu legen. So können bestehende Wohnformen durch zusätzliche Leistungen angereichert werden, wie die bereits ins Auge gefasste Planung einer Nachtbetreuung für das ‚Altersgerechte Wohnen‘. Auch im ‚Seniorenwohnen‘ ermögli-chen zusätzliche Leistungen einen längeren Verbleib in den Wohnungen.

• Die Strategie, organisiertes Wohnen weiter zu entwickeln, liegt in Stadtteilen mit hoher Dichte an von Senioren bewohnten Mietwohnungen nahe. Eine enge Zusammenarbeit mit den Wohnungsgenossenschaften ermöglicht Synergien. Die Literatur schreibt Wohnungsgenossenschaften eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung des organisierten Wohnens zu, die in Österreich derzeit etwa Mobile Dienste wahrnehmen. In München bietet die stadteigene Wohnbaugesellschaft GEWOFAG unter dem Titel ‚Wohnen im Viertel‘ Beratung, Austausch, Pflege und Betreuung, temporäre Pflegewohnungen sowie eine Anlaufstelle für Freiwilligenengagement an. Die Leistungen können von den Mietern der barrierefreien GEWOFAG-Wohnungen wie auch von anderen Mietern im betreffenden Viertel in Anspruch genommen werden. Generell ist bei derartigen Projekten statt Einzelaktivitäten verschiedenster Anbieter die Einbindung ‚starker Partner‘ im Quartier (Kirchen, Schulen, Wohnbaugesellschaften, ortsansässige Unternehmen) wichtig.

• Werden Alten- und Pflegeheim-Plätze nicht ausgebaut, bedarf es alternativer Unterstützungs-angebote für Menschen mit demenziellen Erkrankungen. In Betracht kommen vor allem Tagesbetreuung und organisierte Wohnformen. Im Bereich Demenzversorgung setzt Wels bereits zahlreiche Initiativen wie Demenzservicestellen, Tageszentrum und Wohngemeinschaften. Es liegt ein Konzept für eine ‚demenzfreundliche Gemeinde‘ vor. Diese Aktivitäten sollten weiterverfolgt werden.

• Teilstationäre und mobile sowie temporäre Angebote wie Kurzzeitpflege sind wichtige Dienst-leistungen. Die Kurzzeitpflege könnte um das Angebot der „Remobilisation im Alten- und Pfle-geheim“ nach dem Vorbild des Wiener Pflegewohnhauses Baumgarten erweitert werden. Ziel ist die Entlassung in häusliche Pflege.

• Zur Weiterentwicklung mobiler Dienste bieten sich folgende Optionen an:
Zeitliche Flexibilität erhöhen, wie etwa mit dem geplanten Ausbau der Hauskrankenpflege für Abend- und Wochenenddienste sowie in der Fachsozialbetreuung und der Heimhilfe bis 22 Uhr bei allen Anbietern. Dazu gehören auch Möglichkeiten einer kurzfristigen Inanspruchnahme in Krisensituationen.
Verknüpfen der Mobilen Dienste mit anderen Leistungen, zum Beispiel Mobile Dienste und Tageszentrum, Mobile Dienste und Besuchsdienst (wie durch die Diakonie.mobil), Mobile Dienste und Wäscheversorgung und Ähnliches
- An den Kundenbedarfen ausgerichtete Zusatzpakete schnüren und aktiv anbieten.

• Auch eine Weiterentwicklung der Tageszentren scheint naheliegend, vor allem hinsichtlich des Unterstützungsbedarfs betreuender Angehöriger. Eine Angebotsschärfung, -erweiterung und
-abgrenzung ist in Arbeit. Fokus wird auf weitere Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige gelegt.

• Unterstützungsangebote für den Alltag sind in Wels unterschiedlich ausgebaut: Sind Heimhilfe, Essen auf Rädern oder Rufhilfe etablierte Dienstleistungen, so spielen Reinigungsdienste, Unterstützung in Haus und Garten oder Begleitdienste wenig Rolle. Organisiert werden sie primär von Non-Profit-Organisationen wie Rotes Kreuz, Hilfswerk oder Volkshilfe. Sie erfordern keine oder geringe Formalqualifikation und bieten so großes Potenzial für bürgerschaftliches Engagement, Nachbarschaftshilfe oder Unterstützung auf Vereinsbasis wie etwa Zeittauschvereine. Dieses Potenzial nützt Wels noch zu wenig. Diese zweite Säule neben den bisherigen Anbietern sollte mit Perspektive 2030 forciert werden: der Bedarf an alltagsnahen Dienstleistungen nimmt zu, da sie erste Unterstützungsbedarfe abdecken und das Fehlen informeller Pflegender kompensieren.

• Wichtig in der Alltagsunterstützung ist die Mobilität. Sie kann auf vielfältige Weise gefördert werden, z.B. durch Unterstützung des zu Fuß Gehens oder beim Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel.

• Soziale und kulturellen Teilhabe sind für die Lebensqualität von Senioren wesentlich. Dabei sind nicht nur Angebote gemeint, sondern auch Prozesse der Beteiligung am gesellschaftlichen Leben, die der zunehmenden Heterogenität der älteren Menschen gerecht werden. Mit Perspektive 2030 bieten sich in Wels folgende Stoßrichtungen an: Verstärkte Kooperationen zwischen Senioreneinrichtungen sowie Bildungs-, Gesundheits- und Kultureinrichtungen; Angebote von Senioren für Senioren, wie sie in den Generationentreffs erprobt werden; Aktivierende Netzwerke speziell für jüngere Senioren analog dem ‚club@luzern60plus.ch‘. An diese Initiativen können auch zugehende Maßnahmen geknüpft werden, die ausgrenzungsgefährdete Senioren – etwa mit einem „Kultur-Besuchsdienst“ – erreichen. Das Freiwilligenzentrum leistet dabei schon jetzt einen wichtigen Beitrag. Diese Angebote sollten weiter ausgebaut werden.

• Die Stadt Wels hat ein gut ausgebautes Beratungsangebot, vor allem in der Erstberatung. Dazu gehört auch die Entwicklung des ‚Ratgebers für Senioren‘ durch den Magistrat. Das ge-plante Pflegeservicezentrum als ‚One-Stop-Shop‘ ist zu begrüßen, allerdings braucht es weiterhin die Möglichkeit zur niederschwelligen dezentralen Beratung. Eine stärkere Vernetzung ist zu überdenken. Im Sinne der Transparenz und Effizienz ist eine Erstanlaufstelle für alle Anliegen zur Orientierung und Weitervermittlung von passgenauen Dienstleistungen zu erarbeiten. Entwicklungsbedarf wird in der Beratung, im Einsatz neuer Technologien sowie in der Vernetzung im Bereich Demenzberatung geortet. Möglicherweise ist dies auch bei anderen Themen der Fall. Zu überdenken ist mit Blick auf 2030 die Angehörigenberatung. Die ‚Stammtische für pflegende Angehörige‘ entsprechen offensichtlich nicht den Bedürfnissen der Zielgruppen.

• Die Infrastruktur wie auch die Verteilung der Senioren sind in den Welser Stadtteilen unter-schiedlich. Das macht flexible Unterstützungsangebote notwendig. Überlegungen zu einer sozialräumlich orientierten Planung sind dafür Voraussetzung. Senioren sind auch in der Quartiersentwicklung stärker zu berücksichtigen, falls der Quartiersgedanke weitergeführt wird.

Zusammenfassend wird angemerkt, dass sich die Entwicklung und Ausrichtung von Dienstleistungen zukünftig an den unterschiedlich entwickelten Lebensstilen älterer Menschen orientiert. Diese haben Einfluss auf die Wünsche betreffend Wohnen, Pflege und Betreuung. Die reine „Versorgung“ tritt in den Hintergrund. Gefordert werden „Partizipation und Mitverantwortung“. Damit wandelt sich auch die Rolle der regionalen Träger sozialer Hilfe vom „versorgenden“ zum „gewährleistenden“ Staat: Information, Vermittlung und Begleitung treten neben reine Leistungserbringung.
 

Zitate

Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Die Ergebnisse des Forschungsprojektes ‚Soziales Wels 2030‘ im Bereich ‚Senioren‘ zeichnen ein sehr detailliertes Bild der Ist-Situation und geben gleichzeitig wichtige Handlungsempfehlungen für die Zukunft ab.“

Generationen-Referentin Margarete Josseck-Herdt: „Wels verfolgt die richtige Strategie in der Seniorenbetreuung. Durch die Schaffung von alternativen Wohnformen und den Ausbau der Mobilen Betreuungsdienste wird dem Wunsch der älteren Bevölkerung nach einem selbstbestimmten Leben im gewohnten Umfeld Rechnung getragen“.

FH-Prof. Dr. Brigitta Nöbauer, Projektleiterin „Soziales Wels 2030“: „Unsere Analysen machten rasch deutlich, dass die Stadt Wels im Sozialbereich sehr zeitgemäße Ansätze verfolgt. Wir am De-partment Gesundheits-, Sozial- und Public Management an der Linzer Fakultät der FH Oberöster-reich sind eines der wenigen wissenschaftlichen Kompetenzzentren für Regionale Sozialplanung in Österreich. Die große Zukunft dieses Themas sieht man auch daran, dass manch andere europäische Länder sich schon wesentlich intensiver mit Sozialplanung auseinandersetzen“.



Im Bild:

Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt, Bürgermeister Dr. Andreas Rabl und FH-Professorin Dr. Brigitta Nöbauer (v.l.)
 

Bild- und Textquelle: Stadt Wels



FPÖ-Wels, am 06.04.2017





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